Südeuropas Getränkemärkte zwischen Stabilität, Segmentverschiebung und neuen Wachstumsfeldern

Die Getränkemärkte in Südeuropa zeigen 2025 ein differenziertes Bild. Während alkoholfreie Getränke in vielen Märkten bereits auf hohem Niveau liegen, entstehen Wachstumsimpulse vor allem in einzelnen Segmenten wie Energy Drinks, Mineralwasser, RTD-Konzepten und alkoholfreiem Bier. Gleichzeitig bleibt Bier in Ländern wie Spanien, Portugal, Italien und Griechenland ein relevanter Bestandteil der Getränkekultur – allerdings unter sehr unterschiedlichen Marktbedingungen.

Veröffentlicht am 10/07/2026

Marketing & Vertrieb
Alkoholfreie Getränke
Bier

Ein Beitrag von

Lucia Baier

Content Managerin

YONTEX GmbH & Co. KG

Aktuelle Marktdaten aus den Getränkemärkten in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland

Die aktuellen Marktdaten von Statista Market Insights für Spanien, Portugal, Italien und Griechenland verdeutlichen: Von einem einheitlichen südeuropäischen Getränkemarkt kann keine Rede sein. Vielmehr treffen hohe Pro-Kopf-Volumina bei alkoholfreien Getränken auf sehr unterschiedliche Bierkulturen, divergierende Konsummuster und verschiedene Entwicklungsstände im Bereich unabhängiger Brauereien. Besonders sichtbar wird dies im Vergleich zwischen Spanien und Portugal einerseits sowie Italien und Griechenland andererseits.

Spanien: alkoholfreie Getränke unter europäischem Durchschnitt

Spanien nimmt innerhalb der betrachteten Märkte eine Sonderrolle ein. Das Gesamtvolumen alkoholfreier Getränke liegt 2025 bei 112 Litern pro Kopf und damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 179 Litern. Innerhalb dieses Marktes zeigen sich jedoch klare Wachstumsfelder.

Mineralwasser erreicht 2025 ein Volumen von rund 70 Litern pro Kopf bis 2030 wird hier laut Statista Market Insights ein leichtes Wachstum von etwa 2 Prozent erwartet. Deutlich dynamischer entwickeln sich Energy Drinks: Mit knapp 6 Litern pro Kopf liegt Spanien über dem europäischen Durchschnitt von 2,95 Litern. Bis 2030 wird in diesem Segment ein Wachstum von rund 8 Prozent erwartet.

RTD-Kaffee- und Tee-Getränke bleiben in Spanien dagegen ein kleines, aber wachsendes Segment. Das Pro-Kopf-Volumen liegt 2025 bei 0,34 Litern und damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 1,28 Litern. Ausgehend von diesem niedrigen Niveau wird bis 2030 ein Zuwachs von rund 8 Prozent prognostiziert. Für Hersteller ergibt sich daraus ein Markt, der zwar noch nicht durch hohe RTD-Volumina geprägt ist, aber Entwicklungsspielraum bietet – insbesondere für Konzepte, die Convenience, Genuss und neue Konsumanlässe verbinden.

Spanien: Biermarkt mit hoher Relevanz

Im Biersegment ist Spanien deutlich stärker positioniert. Alkoholhaltiges Bier verzeichnet 2025 einen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 85 Liter. Damit liegt Spanien klar über dem europäischen Durchschnitt, der 2024 bei knapp 48 Litern. Während sich für Europa insgesamt ein rückläufiger Trend abzeichnet, wird für Spanien bis 2030 ein Wachstum des Pro-Kopf-Verbrauchs von rund 7 Prozent erwartet. Auch alkoholfreies Bier liegt mit 4,9 Litern pro Kopf über dem europäischen Vergleichswert von 2,7 Litern, wobei für diese Kategorie ein weiteres Plus von rund 4 Prozent erwartet wird.

Der Independent Brewers of Europe (IBE) Report 2026 bestätigt die besondere Position Spaniens im europäischen Biermarkt. Auch im Independent-Beer-Segment zeigt Spanien ein eigenes Profil. Die 132 spanischen IBE Mitgliedsbrauereien haben im europäischen Vergleich die geringsten Ausstoßmengen. Laut IBE Report haben spanische unabhängige Biere mit durchschnittlich 6,0 Prozent ABV den zweithöchsten Alkoholgehalt unter den betrachteten Ländern. Das lässt sich als Hinweis auf eine stärker geschmacks- und stilgetriebene Positionierung unabhängiger Brauereien lesen: In einem Markt, der stark von großen Lager-Marken geprägt ist, schaffen unabhängige Anbieter Differenzierung häufig über intensivere, komplexere Bierstile. Dazu passt, dass IPAs im IBE Report als wichtigster Stil spanischer unabhängiger Brauer genannt werden. 

Gleichzeitig ist die Diversifizierung über Bier hinaus in Spanien noch begrenzt. Laut IBE Report produzieren nur rund 11 Prozent der befragten spanischen unabhängigen Brauereien Getränke außerhalb von Bier; diese entfallen vollständig auf Met. Die Fallbeispiele im Report zeigen jedoch, dass alkoholfreie Biere und neue Geschmacksprofile an Relevanz gewinnen. Cerveza SanFrutos nennt Non-Alcoholic Beer als Wachstumsfeld, während Sáez & Son auf IPAs, Sours und Stouts setzt und die Professionalisierung des spanischen Independent-Beer-Sektors als zentrale Herausforderung beschreibt.

Portugal: überdurchschnittlicher Konsum von alkoholfreien Getränken starkes alkoholfreies Bier

Portugal zeigt ein anderes Marktprofil als sein iberischer Nachbar. Das Gesamtvolumen alkoholfreier Getränke liegt 2025 laut Statista Market Insights bei 253 Litern pro Kopf und damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Bis 2030 soll dieser Wert weitgehend stabil bleiben. Wachstum entsteht damit weniger durch eine generelle Mengenausweitung, sondern durch Verschiebungen innerhalb der Kategorien.

Energy Drinks erreichen in Portugal 2025 ein Volumen von 4,7 Litern pro Kopf und liegen damit über dem europäischen Vergleichswert von 2,95 Litern. Bis 2030 wird ein Marktzuwachs von rund 10 Prozent erwartet. Auch RTD-Getränke liegen mit 1,45 Litern pro Kopf leicht über dem europäischen Durchschnitt von 1,28 Litern und sollen bis 2030 um rund 8 Prozent wachsen. Portugal zeigt damit ein Profil, in dem funktionale und praktische Getränkeformate bereits eine sichtbare Basis haben und weiter ausgebaut werden können.

Portugal: spannender Markt für alkoholfreies Bier

Besonders auffällig ist der Wert für alkoholfreies Bier. Mit 11,3 Litern pro Kopf liegt Portugal deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 2,7 Litern und auch klar vor Spanien. Für diese Kategorie wird bis 2030 ein weiteres Wachstum von rund 10 Prozent erwartet. Alkoholhaltiges Bier liegt 2025 bei 38 Litern pro Kopf. Damit ist Portugal im Vergleich zu Spanien deutlich niedriger positioniert, zeigt aber ebenfalls Wachstumsperspektiven: Für alkoholhaltiges Bier wird ein Plus von rund 11 Prozent erwartet.

Portugal lässt sich damit als Markt beschreiben, in dem alkoholfreie Getränke und alkoholfreies Bier besonders stark ausgeprägt sind, während alkoholhaltiges Bier ein moderateres, aber wachsendes Niveau aufweist. Für Produzenten ist der Markt vor allem dort interessant, wo alkoholfreie und funktionale Konzepte mit Geschmack, Alltagstauglichkeit und sozialem Konsum verbunden werden.

Italien: Mineralwasser dominiert bei den alkoholfreien Getränken

Italien ist im südeuropäischen Vergleich stark durch alkoholfreie Getränke geprägt. Das Gesamtvolumen alkoholfreier Getränke liegt 2025 bei 229 Litern pro Kopf und damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Besonders prägend ist Mineralwasser: Mit 173 Litern pro Kopf erreicht Italien in dieser Kategorie laut Statista Market Insights ein sehr hohes Niveau. Bis 2030 wird ein weiteres Wachstum von rund 6 Prozent erwartet. Damit bleibt Mineralwasser einer der strukturell wichtigsten Getränkebereiche des italienischen Marktes.

Energy Drinks liegen in Italien mit 2,95 Litern pro Kopf auf dem Durchschnittsniveau Europas. Bis 2030 wird ein Wachstum von rund 6 Prozent erwartet. RTD-Getränke erreichen 2025 ein Volumen von 1,1 Litern pro Kopf und liegen damit leicht unter dem europäischen Durchschnitt von 1,28 Litern. Anders als in anderen Märkten wird hier bis 2030 keine nennenswerte Veränderung erwartet.

Italien: Bier wächst gegenläufig zum europäischen Trend

Im Biersegment zeigt Italien ein niedriges, aber wachsendes Niveau. Alkoholhaltiges Bier liegt 2025 bei rund 30 Litern pro Kopf. Bis 2030 wird ein Wachstum von mehr als 10 Prozent erwartet. Damit entwickelt sich Italien gegenläufig zum europäischen Trend, der insgesamt auf einen Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs hindeutet. Alkoholfreies Bier ist mit 0,2 Litern pro Kopf dagegen noch kaum entwickelt und liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 2,7 Litern.

Laut IBE Report positionieren sich unabhängige Brauereien in Italien stark über moderne Bierstile: IPA ist der wichtigste Stil italienischer unabhängiger Brauer, gefolgt von Pale Lager und Pilsner. Strukturell relevant ist der Vertriebszugang. Der IBE Report weist darauf hin, dass nur 11 Prozent der italienischen unabhängigen Brauereien über Supermärkte verkaufen. 

Griechenland: höchster Pro-Kopf-Verbrauch bei alkoholfreien Getränken

Griechenland liegt 2025 bei alkoholfreien Getränken laut Statista Market Insights mit einem Verbrauch von 288 Litern pro Kopf an der Spitze der betrachteten südeuropäischen Märkten. Gleichzeitig liegt das Segment Erfrischungsgetränke mit 57 Litern pro Kopf unter dem europäischen Durchschnitt von 65,4 Litern. Bis 2030 wird hier jedoch ein Wachstum von knapp 9 Prozent erwartet. RTD-Getränke bleiben mit 0,72 Litern pro Kopf unter dem europäischen Durchschnitt, sollen aber um rund 4 Prozent wachsen.

Griechenland: Gastronomie als relevantester Vertriebskanal für Brauereien

Im Biersegment zeigt Griechenland ein stabiles Bild. Alkoholhaltiges Bier liegt 2025 bei 47,5 Litern pro Kopf und damit nahezu auf dem europäischen Durchschnittsniveau. Bis 2030 wird ein weitgehend konstantes Verbrauchsbild erwartet. Alkoholfreies Bier ist dagegen mit 0,21 Litern pro Kopf bislang sehr klein und liegt deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 2,7 Litern.

Der IBE Report 2026 liefert für Griechenland jedoch eine interessante Zusatzperspektive. Während die meisten IBE-Märkte zwischen 2023 und 2024 rückläufige Bierkonsumwerte verzeichneten, stieg der durchschnittliche Bierkonsum in Griechenland um 7,9 Prozent. Ein Grund dafür scheint der starke Gastronomiemarkt zu sein.

Laut IBE Report werden 47 Prozent des von griechischen unabhängigen Brauereien produzierten Biers über Restaurants verkauft. Nur 3 Prozent entfallen auf lokale Pubs. Direkte Vertriebswege über eigene Pubs, Taprooms oder Shops spielen in Griechenland laut Report keine Rolle. Der Report führt dies unter anderem auf die starke food-led Gastronomiekultur des Landes zurück. So ist es auch kein Wunder, dass in Griechenland das Fassbier dominiert. Es zählt mit 64 Prozent Draught-Anteil zu den führenden Ländern in dieser Verpackungs- und Ausschankform. Das unterstreicht die Bedeutung der Gastronomie als zentralen Marktzugang.

Auffällig ist zudem die Bedeutung alkoholfreier Biere innerhalb der griechischen Independent-Beer-Produktion. Obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch alkoholfreier Biere im Gesamtmarkt sehr niedrig ist, gaben im IBE Report 40 Prozent der befragten griechischen Brauer an, dass alkoholfreies Bier zu ihren drei meistproduzierten Stilen gehört. Das kann auf einen frühen Angebotsimpuls im Independent-Segment hindeuten, der dem breiten Massenmarkt vorausläuft.

Marktausblick: Chancen entstehen an den Schnittstellen

Die südeuropäischen Getränkemärkte befinden sich nicht in einer einheitlichen Transformationsbewegung, sondern in einer Phase differenzierter Segmentverschiebungen. Wachstum entsteht dort, wo etablierte Konsumgewohnheiten mit neuen Anforderungen verbunden werden: alkoholfreies Bier als Ergänzung zur Bierkultur, Energy Drinks als funktionales Wachstumssegment, RTD-Konzepte als Convenience-Angebot und Mineralwasser als weiterhin tragende Kategorie.

Für Getränkehersteller ergibt sich daraus kein einfacher Trendpfad, sondern ein Portfolio- und Produktionsauftrag. Märkte wie Spanien, Portugal, Italien und Griechenland verlangen unterschiedliche Schwerpunkte: alkoholhaltiges Bier bleibt relevant, alkoholfreie Konzepte gewinnen selektiv an Bedeutung, funktionale Getränke wachsen in klar definierten Segmenten, und unabhängige Brauereien reagieren mit Stilvielfalt, Spezialisierung und neuen Angebotsformen.

Südeuropa zeigt damit exemplarisch, wie unterschiedlich europäische Getränkemärkte auf ähnliche gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren. Entscheidend wird für Hersteller sein, diese Unterschiede nicht zu nivellieren, sondern marktspezifisch zu nutzen: mit flexiblen Produktionsstrukturen, klarer Positionierung und Portfolios, die lokale Konsumrealitäten präzise abbilden.