Ein Beitrag von
Thomas Birus
Dipl.-Ing. Lebensmitteltechnologie
KI hat unseren Alltag in den letzten 2-3 Jahren in rasender Geschwindigkeit erobert und ist an vielen Stellen nicht mehr wegzudenken. Zeit für eine Bestandsaufnahme mit Blick auf die Getränkeindustrie – und dort v.a. auf die KMU. Welches Potenzial bietet die KI? Wo liegen die Risiken? Und wie sieht es mit Datenschutz und Cybersicherheit aus? Ergänzt wird der Artikel um Handlungsempfehlungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW).
Veröffentlicht am 18/08/2026
Ein Beitrag von
Thomas Birus
Dipl.-Ing. Lebensmitteltechnologie
Der Einsatz von KI gilt als eine strategische Notwendigkeit, doch wie weit ist sie in den Unternehmen bereits angekommen bzw. verankert? Im Mai 2026 nutzen (laut einem Bericht in DIE ZEIT) mittlere Unternehmen (50 bis 249 Beschäftigte) sie immerhin zu 47,2 Prozent, Kleinst- und Kleinunternehmen (bis 49 Beschäftigte) zu 51,2 Prozent. Besonders hoch ist der KI-Einsatz in der Industrie und in der Dienstleistung. Anlagenbauer verwenden also KI häufiger als Getränkehersteller. Entscheidend sind die Kosten: drei Viertel der Unternehmen nutzen kostenpflichtige Angebote von Fremdfirmen, 22,5 Prozent verwenden ausschließlich Freeware. Knapp jeder fünfte Betrieb setzt speziell für eigene Anforderungen entwickelte Systeme ein.
Eine KI als Betriebssystem transformiert interne Prozesse und schafft eine moderne Arbeitsumgebung mit höherer Produktivität. Sie steigert hoffentlich auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Was man nicht unterschätzen darf: Wenn eine neue KI den bisherigen Kundendienst unterstützen oder gar ersetzen soll und dies desolat bzw. in mittelmäßiger Qualität erfolgt, hat das negative Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit. Gerade Serviceunternehmen sollten dies beherzigen und darauf achten, dass einfache Sonderwünsche wie die Aufnahme einer E-Mail als Terminerinnerung in den Kundestatus möglich ist. (Der Autor dieser Zeilen, musste in einem Recherche-Gespräch für diesen Artikel lernen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.)
Durch KI und Robotik sind bereits selbstlernende Aggregate oder Lösungsvorschläge für die Optimierung einer einzelnen Maschine oder für eine gesamte Linie sinnvoll. Machine Learning zur Prozessoptimierung verändert, wie Firmen Risiken oder Fehlerquellen erkennen. So werden komplexe Daten analysiert und dann lassen sich genauere Vorhersagen treffen oder sinnvolle Schlussfolgerungen machen. Dabei kann man bekannte Folgen bei Fehlern als Datenquellen nutzen (supervised learning) wie beispielsweise schlechtsitzende Etiketten oder ein unleserliches MHD. Unsupervised Learning hingegen berechnet verborgene Anomalien in Prozessen.
Besonders im Bereich der Programmierung werden Routineaufgaben oder neue einfache Aufgaben von Bots erledigt. Dabei werden viele bisher extern vergebene Aufträge hinfällig. Aber auch die Unterstützung bei komplexen Problemstellungen gilt als rentabel. Große Vorteile verspricht man sich durch die Erstellung von personalisierten Anweisungen für Mitarbeitende.
Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die nahe Zukunft der modernen Arbeitswelt werfen. Zuerst ermöglichen die technologischen Grundlagen der KI moderne Arbeitsplätze. Zu den wichtigsten Technologien gehören die Cloud KI, digitale Zwillinge und Automatisierungslösungen. Solche Anwendungen übernehmen Routineaufgaben, damit sich Mitarbeiter auf schwierigere Aufgaben konzentrieren und effizienter arbeiten können.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die KI-Entscheidungsfindung für Geschäftsprozesse durch intelligente Datenanalyse. KI-Systeme durchsuchen Millionen von Dokumenten und schlagen Erkenntnisse vor, die Manager schneller und genauer entscheiden lassen. Weitere Vorteile sind präzisere Trendvorhersagen und die Risikominimierung durch Analysen komplexer Datensätze. Man darf hervorheben, dass KI weit über menschliche Fähigkeiten hinausgeht!
Was bereits Realität ist: Die Gestaltung von Etiketten, Flaschen und Dosen ist durch Tools wie DALL-E oder Stable Diffusion möglich. In der Rezeptentwicklung werten Algorithmen sensorische Daten, Markttrends und Kundenbewertungen aus. Die Nutzung von KI-Anwendungen in der Getränkeindustrie hört beim Marketing und der Produktentwicklung nicht auf. KI-Systeme analysieren in Echtzeit Maschinen-, Produktions- und Verkaufsdaten. Zudem verringern sich Kosten bei der Predictive Maintenance, Qualitätssicherung in der Abfüllung, niedrigere Stillstände und Ausschuss.
Das waren jetzt nur einige Beispiele für die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von KI in der Getränkeindustrie. Damit sich dieses Potenzial sich bestmöglich entfalten kann, braucht es Fachkenntnis in den Betrieben und ein Bewusstsein für die Risiken. Denn nur ein sensibler Umgang damit lässt einem bei all der KI-Euphorie die wichtigen Leitplanken nicht vergessen.
Womit wir beim Thema KI und DSGVO wären. Unternehmen müssen bei KI auf den Schutz sensibler Daten, die Einhaltung der DSGVO-Richtlinien und die Implementierung von Sicherheitsmechanismen achten. Damit einher geht die Compliance für eine sichere Einbindung der KI, die Anonymisierung personenbezogener Daten, regelmäßige Sicherheitsaudits und eine exakte Dokumentation der Datenverarbeitung. Die Einhaltung der DSGVO ist für moderne Unternehmen unerlässlich und gewinnt mit dem Einsatz von KI-Tools noch einmal eine ganz andere Dimension.
Das Thema Cybersicherheit rückt – spätestens jetzt, mit immer präziseren KI-gestützten Angriffen, – ebenfalls in den Fokus vieler Unternehmen.
Im Gespräch mit Barbara Engels, Senior Economist für nachhaltige Digitalisierung und KI, Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wird deutlich, worauf es bei den essenziellen Fragen rund die Nutzung von KI in KMU ankommt.
Barbara Engels: Cybersicherheit ist die zentrale Voraussetzung für ihre Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit. Gerade KMU sind ein attraktives Ziel, weil sie häufig über wertvolles Know-how verfügen, zugleich aber meist geringere Schutzressourcen vorhalten als Großunternehmen. Mit dem zunehmenden KI-Einsatz verschärft sich die Lage doppelt: Einerseits eröffnen KI-Anwendungen neue Angriffsflächen – etwa durch die Einspeisung sensibler Daten in externe Systeme –, andererseits nutzen auch Angreifer KI, um Phishing und Schadsoftware zu professionalisieren. Ein erfolgreicher Angriff kann für ein KMU schnell existenzbedrohend werden.
Barbara Engels: Zuerst einmal gilt, KI gezielt dort einzusetzen, wo ein klarer Nutzen besteht. Entscheidend ist, KI-Einführung und Sicherheit von Anfang an zusammenzudenken. Konkret empfehlenswert ist eine Richtlinie, die klar regelt, welche Daten in welche KI-Systeme gegeben werden dürfen. Enorm wichtig sind die Sensibilisierung und Schulung der Beschäftigten, da der Mensch nach wie vor das häufigste Einfallstor für Angriffe ist, sowie der Aufbau grundlegender technischer Hygiene wie Updates, Backups und Zugriffskontrollen. KMU müssen das nicht allein stemmen – Kooperationen, Branchenverbände und externe Dienstleister können fehlende interne Kompetenzen ausgleichen.
Barbara Engels: Der rechtliche Rahmen wird derzeit maßgeblich durch die KI-Verordnung der EU (AI Act) geprägt, die Anwendungen je nach Risikoklasse streng reguliert. Hinzu kommen Datenschutz (DSGVO), Haftungs- und Urheberrechtsfragen sowie der Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Für KMU besteht die Herausforderung weniger im Regelungsinhalt selbst als im Aufwand der Umsetzung: Dokumentations- und Transparenzpflichten binden Ressourcen, die in kleineren Betrieben knapp sind. Wichtig ist daher, frühzeitig zu klären, in welche Risikoklasse die eigenen Anwendungen fallen, und Rechtssicherheit nicht als Bremse, sondern als Vertrauensgrundlage gegenüber Kunden und Partnern zu verstehen.
Zusammenfassend kann man festhalten, dass die digitale Transformation Unternehmen und deren Arbeitsweise verändert. Durch die KI lassen sich Risiken früher erkennen. Die Betriebe benötigen technische Lösungen und müssen unbedingt erkennen, was ethisch und rechtlich richtig ist. Erfolg ergibt sich aus Neuerung und Verantwortung. Wer rechtzeitig in KI investiert, wird Vorteile haben. Wichtig ist, sich ständig weiterzubilden und flexibel zu bleiben. Allerdings: Gleichzeitig bleibt das kreative Individuum unersetzlich. Die Schnittstelle von Mensch und Maschine wird also Bestand haben.
Quellen:
KI-Nutzung in Unternehmen; Wochenzeitung DIE ZEIT vom 5.6.2026
https://ki-trainingszentrum.com/